Wie gamifiziere ich meinen Unterricht?

Teil 2 – Die Reflexion macht das Lernen aus

Die Lernenden beantworteten zu jeder Aufgabe dieselben 3 Reflexionsfragen:

  1. Was habe ich gelernt (Lerninhalt)?
  2. Wo kann ich das in meinem Beruf anwenden (Praxistransfer)?
  3. Was war schwierig für mich (Lernstrategie entwickeln)?

Mit diesen Fragen wollte ich sie unbedingt vom blossen Erledigen ihrer Aufgaben zu nachhaltigem Lernen anregen. Während einige Lernende die Fragen nur ganz kurz in einem Satz beantworteten, versuchten die meisten ihrem Lernen doch auf die Spur zu kommen.

  • 26. Februar 2021, 10:00
  • Lernen 360 Grad

Reflektieren ist gar nicht so einfach. Einige konnten oder wollten den Praxistransfer zunächst gar nicht herstellen: «Ich brauche das in meinem Beruf nicht.» Hier ging es jedoch darum, den Bezug zur eigenen Welt herzustellen – auch wenn die aktuelle Situation vielleicht (noch) nicht mit dem Unterrichtsstoff übereinstimmte. Wichtig war mir dabei, den Lernenden unmissverständlich aufzuzeigen, dass sie nicht für die Schule lernen bzw. weil die Lehrperson, die Schule oder der Stoff das so verlangt. Das funktioniert allerdings nur, wenn sie selber auf diese Idee kommen, sich selber die entsprechenden Gedanken machen und sich wirklich mit dem Lernthema und ihrem Leben symbiotisch auseinandersetzen.

Mehr als nur Aufgaben lösen

Abgesehen davon, dass die Lernenden jeweils eine Aufgabe anhand einer Übungsdatei nach Anweisung aus dem Lehrmittel bearbeiteten und drei persönliche Reflexionsfragen dazu beantworteten, passierte lerntechnisch noch sehr viel mehr:

  • Textverständnis entwickeln: «Am Anfang verstand ich die Aufgabe noch nicht so genau, doch später erfasste ich den ganzen Sinn dahinter und konnte die Aufgabe somit auch lösen.»
  • Sie entwickeln Eigeninteresse und lernen sogar lateral: «Bei dem Begriff Synonym wusste ich nicht, worauf er sich bezieht; also habe ich in Word danach gesucht und selbstständig noch erklärt, was ein Synonym ist.»
  • Sie verstehen die Systematik und entwickeln ihr eigenes Lernvorgehen: «Ich lernte, dass ich die Anweisung genau befolgen muss.»
  • Sie dokumentieren ihre Lernfortschritte, erstellen eine eigene Lerndokumentation oder sammeln Kompetenzbelege: «Ich weiss nun, wie man eine bedingte Silbentrennung durchführt und habe dafür einen Screenshot im Portfolio abgelegt, damit ich es nicht mehr vergesse.»
  • Die Lernenden überwinden Schwierigkeiten und zeigen Durchhaltewillen: «Ich hatte Schwierigkeiten, weil ich das noch nicht so oft gemacht habe, aber langsam kommt die Übung. Und nun weiss ich, wie es geht – hurra!»
  • Zirkuläres Lernen findet «automatisch» statt, Wissen wird verankert: «Diese Repetitionsfragen waren gut zu lösen, weil ich die Übungen dazu erst ein paar Tage zuvor gemacht hatte. Ich wusste alles noch gut.»
  • Vernetztes Lernen wird möglich – zu anderen Themen innerhalb eines Faches, aber auch über das Fach hinaus: «Ich hätte es für eine Wirtschaftsarbeit nutzen können.»

    Das und noch viel mehr ist passiert. Gamification ist also keineswegs Spielerei. Und wenn, dann eher in diesem Sinne: «Spielen ist eine ernste Sache.»

Hier gehts zum Teil 1 - Der «Badgelor»

Gamifizierung

Das gesamte Konzept zur Gamifizierung stellt Anita Schuler auf der Austauschplattform TeachOz zur Verfügung. Dort können die Spielregeln als Konzept heruntergeladen, adaptiert und unter Beachtung der Creative Commons-Regeln für eigene Zwecke genutzt werden. Ein erster Einblick dazu vermittelt dieser Film.

Anita Schuler

Anita Schuler ist IKA-Lehrperson und -Gruppenleiterin sowie Lerncoach. Dank ihrer Weiterbildung zur Lehrperson für fachkundige individuelle Begleitung (CAS fiB) unterstützt sie insbesondere die Lernenden in der 2-jährigen Attestlehre durch Lerncoachings. In ihrem Fokus steht dabei stets das Lernen und weniger ein spezielles Sach- oder Fachthema. Und das ist unabhängig von Lehrgang oder Stufe ein zentraler Erfolgsfaktor für jede Ausbildung.

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