7 Tipps für eine formvollendete Rede

Ein unpassender Witz, eine gähnend langweilige Einleitung, ein peinlicher Fauxpas beim Händeschütteln – bei einem öffentlichen Auftritt kann alles Mögliche schiefgehen. Knigge-Expertin Susanne Abplanalp weiss, wie Sie als Rednerin oder Redner mit Form und Inhalt glänzen.

  • 3. Juli 2020, 10:00
  • Entrepreneurship

Tipp 1: Vorbereitung ist die Mutter des Erfolgs

Wer ist das Publikum? Welche Themen beschäftigen es aktuell? Wie viel Sachwissen dürfen Sie voraussetzen? Mit welchem Einstieg erlangen Sie sofort absolute Aufmerksamkeit? Passen Sie Ihre Worte möglichst genau der Branche und Ihrem Publikum an. Im Zweifelsfall: nichts als selbstverständlich betrachten, alles erklären und so einfach wie möglich kommunizieren! Je mehr Hintergrundinformationen, desto gezielter der Inhalt und desto grösser der Nutzen für das Publikum.

Zu einer guten Vorbereitung gehört auch, einen Plan B für Notfälle zu haben, z. B. wenn die Technik nicht funktioniert, Ihre Redezeit beschnitten wird oder andere Rahmenbedingungen sich kurzfristig ändern. Erstellen Sie eine Checkliste und ein Manuskript!

Sollte es trotz erstklassiger Vorbereitung zu kleinen Pannen kommen, können Sie diese mit etwas Humor souverän überspielen.

Tipp 2: Vor der Bühne ist auf der Bühne

Erscheinen Sie 60 Minuten vor dem Anlass. Planen Sie genügend Zeit ein, um ohne Hektik anzureisen, den Veranstaltungsraum zu finden und sich mit der Person, die Sie vorstellen wird, abzusprechen. Klären Sie u. a. alle technischen Fragen, den Ablauf der Veranstaltung und Ihre Auftrittszeit. Wenn möglich, deponieren Sie Ihre Notizen bereits auf dem Rednerpult und testen Sie Mikrofon und Beamer.

Wahren Sie Ihr authentisches Redner-Ich auch im Privatleben. Treten Sie schon im Lift oder auf dem Parkplatz professionell und freundlich auf. Jemandem, der mit angespanntem Gesicht grusslos an uns vorbeihastet, vertrauen wir nicht. Lassen Sie Ihr Publikum spüren, dass Sie leben, was Sie predigen.

Tipp 3: Pünktlichkeit ist Pflicht!

Starten Sie pünktlich. Nicken Sie verspätet eintreffenden Gästen freundlich zu, ohne sich von Ihrem Vortrag ablenken zu lassen.

Halten Sie sich unbedingt an die Ihnen eingeräumte Redezeit. Wenn Sie «überziehen», bringen Sie den Veranstalter in Schwierigkeiten und riskieren, dass Ihr Publikum unruhig wird.

Tipp 4: Begrüssen und Vorstellen

Im Idealfall müssen Sie sich nicht selbst vorstellen, sondern werden vom Veranstalter oder Moderator des Anlasses eingeführt. Überlegen Sie sich genau, welche Worte Sie und Ihr Fachwissen am besten beschreiben, und zwar dem spezifischen Anlass und Publikum angepasst. Sprechen Sie sich im Vorfeld mit dem Veranstalter ab. Meist wird er oder sie dankbar sein, wenn Sie konkrete Vorschläge für ein paar einführende Worte haben, das spart ihm oder ihr Arbeit und Unsicherheit.

Die Begrüssung mit Handschlag auf der Bühne wird immer durch den Gastgeber oder Veranstalter initiiert. Das bedeutet: Wird Ihnen auf der Bühne nicht die Hand gereicht, dann beginnen Sie Ihren Vortrag ohne Händeschütteln.

Treten Sie dynamisch und mit freien Händen (nicht in der Hosentasche!) auf die Bühne.

Teilen Sie zu Beginn mit, was das Publikum erwarten darf, wie lange der Vortrag dauert, ob es Pausen gibt und ob man ein Skript erhält.

Tipp 5: Kleider machen Leute

Ihre Kleidung inklusive Haarschnitt und Accessoires sollte dem Anlass, dem Thema und Ihrem eigenen Stil gerecht werden. Erscheinen Sie im Zweifelsfall lieber leicht overdressed, also ein wenig besser gekleidet als das Publikum. Damit beweisen Sie Freude über die Einladung und Wertschätzung gegenüber Ihren Zuhörern.

Je unaufdringlicher Ihre Kleidung, desto mehr kann sich der Zuhörer auf das konzentrieren, was Sie sagen. Alles, was die Aufmerksamkeit vom Gesagten ablenkt, sollten Sie vermeiden. Dazu gehören allzu schrille Outfits, glänzende, glitzernde oder baumelnde Schmuckstücke, kleinere oder grössere Patzer wie offene Knöpfe, fehlende Knöpfe, Knitterfalten oder Schwitzflecken, zu lange oder zu kurze Hosenbeine sowie ungeputzte Schuhe oder abgelaufene Sohlen. Ein ungepflegtes Erscheinungsbild könnte im schlimmsten Fall sogar als Hinweis auf einen unsauberen Arbeitsstil interpretiert werden.

Auch wenn Ihnen Ihre Haare ständig ins Gesicht fallen, kann das die Zuhörer irritieren.
Helle Kleidungsteile tragen Sie mit Vorteil in der Nähe des Gesichts, denn der Mensch schaut automatisch an die hellste Stelle.

Unifarbene Kleidungsstücke wirken ruhiger und sind dadurch vorteilhafter als mit Streifen oder Mustern.

Tipp 6: Authentische Körpersprache

Lassen Sie die Zuhörer spüren, dass Sie gut vorbereitet sind und für Ihr Thema brennen! Setzen Sie Ihre Gestik und Mimik dem Inhalt und Anlass entsprechend ein. Je mehr Platz Sie beanspruchen und die Bühne nutzen, desto selbstsicherer werden Sie wirken.

Mit offenen Gesten und einem Lächeln übertragen Sie Aufgeschlossenheit und Sympathie. Aber Achtung: Ein Lächeln im falschen Moment könnte fehlende Kompetenz signalisieren.
Pausen nach wichtigen Aussagen lassen das Gesagte intensiver wirken.

Tabu sind: kratzen, Hände in den Hosensäcken, sich selber immer wieder berühren (z. B. über den Bart streichen) oder mit Gegenständen spielen. Das verunsichert das Publikum und lässt Sie unsympathisch erscheinen. Schauen Sie den Menschen, mit denen Sie sprechen, in die Augen und vergessen Sie dabei die hinteren Reihen nicht.

Tipp 7: Enden Sie mit einem Paukenschlag!

Ein starker Schluss ist besser als ein langweiliges «Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit». Idealerweise loben Sie bereits mehrmals im Verlauf Ihrer Rede Ihr Publikum und danken ihm – für die Konzentration, das lebendige Mitmachen und die interessanten Fragen. Den Abschluss Ihrer Rede nutzen Sie dann am besten für eine einprägsame Zusammenfassung oder einen flammenden Appell. Damit bleiben Sie und Ihre Rede Ihrem Publikum in bester Erinnerung.

Susanna Abplanalp

Knigge-Expertin und Image-Beraterin Susanne Abplanalp ist Geschäftsführerin von
Training & Style (kniggetoday.ch) und Autorin von «Der Office-Knigge» (Verlag SKV). Sie doziert an der EB Zürich, bei procure.ch sowie an der Hochschule für Wirtschaft Zürich und bietet Vorträge, Seminare und Coachings an. Ihre Fähigkeiten als Rednerin trainiert sie seit Jahren regelmässig im Rhetorik-Club Zürich und im International Lunchtime Toastmasters Club Zürich.

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