3 Power-Ups für deine Präsi

Der April 1987 war ein bemerkenswerter Monat. Nicht nur wurde die erste Folge der Simpsons im Fernsehen gezeigt, sondern auch die Präsentationssoftware PowerPoint für Macintosh von der Firma Forethought vorgestellt, nur um kurz darauf von Microsoft aufgekauft zu werden. 34 Jahre später ist PowerPoint allgegenwärtig, und Präsentationen sind eine der beliebtesten Formen der Inhaltsvermittlung. Allgegenwärtig sind auch folgende Unsitten im Zusammenhang mit der Nutzung von Präsentationssoftware:

  • Das Vortragsmanuskript wird in kleiner Schrift an die Wand projiziert.
  • Die oder der Präsentierende liest ab, was auf die Leinwand projiziert wird.
  • Die Präsentation besteht fast nur aus Text und dem Logo der Organisation, das auf jeder Folie wiederholt wird.
  • Nach der Präsentation wird den Zuhörer*innen das gesamte Folienpaket zugemailt oder man erhält einen dicken Bund Papier mit dem Ausdruck der Präsentation.

Das geht besser! Hier drei Tipps, wie du mit deiner Präsentation punkten kannst.

  • 26. März 2021, 10:00
  • Beruf und Bildung

Tipp 1: Trennung von Präsentation und Dokumentation

Um die zu präsentierende Information für dich und dein Publikum festzuhalten, helfen dir zwei Arten der Dokumentation: ein Manuskript und ein Handout. Das Manuskript dient dir als Gedächtnisstütze, während das Handout dem Publikum später das Erinnern der wichtigsten Punkte der Präsentation ermöglicht. Beides gehört nicht auf die Leinwand und ist von der Präsentation an sich getrennt zu behandeln.

Die Nutzung der Präsentation selber als Erinnerungshilfe für den Vortrag ist nämlich unsinnig. Das Manuskript bzw. die unterstützenden Vortragsnotizen werden besser im Präsentationsnotizen-Bereich von Keynote, PowerPoint oder Google Slides festgehalten. Auf diese Weise sind sie immer bei der aktuellen Folie zur Hand, ohne dass das Publikum gleich mitlesen muss, was du beim Präsentieren vorliest. Alternativ können Vortragsnotizen in Apple Notizen, Microsoft OneNote, Evernote oder Ähnlichem festgehalten werden. So werden sie über Laptop, Tablet und Smartphone synchronisiert, und du kannst überall daran arbeiten.

Das Handout sollte ein Kondensat der präsentierten Inhalte sein. Es ist nicht zweckmässig, den Zuhörer*innen die ganze Präsentation abzugeben, erst recht nicht, wenn Tipp 2 beherzigt wird. Dann sagen die Folien für sich alleine nämlich wenig aus. Vielmehr sollten die wichtigsten Aussagen der Präsentation auf einer A4-Seite festgehalten sein, vielleicht ergänzt um eine grafische Darstellung. Das gibt mehr zu tun, als einfach die Präsentation abzugeben. Es geht aber darum, dass das sich an die Publikum Präsentationsinhalte erinnert, und dafür ist ein zusammenfassendes Handout zielführender.

Tipp 2: Emotionen ansprechen

Die Vermengung von Präsentation und Dokumentation führt unweigerlich dazu, dass der präsentierte Inhalt vornehmlich aus Text besteht, und damit nur die kognitive Ebene bedient wird. Um die Inhalte optimal erinnern zu können, sollte neben der Kognition auch die Emotion angesprochen werden. Emotionen wirken durchaus auch auf der sprachlichen Ebene, z. B. über Geschichten oder persönliche Bezüge, welche im gesprochenen Teil integriert werden können. Emotionen lassen sich aber auch gut über Bilder ansprechen, und die Projektionsfläche einer Präsentation bietet dafür eine optimale Gelegenheit. Nutze deshalb grosszügig Fotos und Grafiken, welche symbolisch und assoziativ das Gesagte unterstützen. Etwas Text zur Verdeutlichung darf sein, aber am besten nur Stichworte. Die weitere Ausführung kommt aufs Handout. Der Text muss zudem auch in den hintersten Reihen gut lesbar sein, und sollte deshalb idealerweise mindestens 30 Punkt Schriftgrösse haben. Wird visuell vor allem auf das Bild gesetzt, wird das Publikum der Referentin zuhören, statt abzulesen, was diese auch abliest.

Mit Ton oder bewegtem Bild ist die emotionale Wirkung noch grösser. Der Audio- und Video-Einsatz schafft zwar technische Herausforderungen, muss gut vorbereitet und vor Ort repetiert werden. Der Lohn aber ist ein grösserer Erinnerungseffekt. Suche deshalb nach Audio- und Video-Inhalten, welche zum Thema passen.

Tipp 3: Keep it Zen

Steve Jobs sagte: «People who know what they’re talking about don’t need PowerPoint.»

Der Punkt ist: Folien sollen die Botschaft verstärken, aber das gesprochene Wort nicht ersetzen. Dazu sind Präsentationsfolien möglichst einfach zu halten. Je weniger Elemente auf einer Folie zu sehen sind, umso stärker ist die Aussage. Der geniale Präsentator Steve Jobs hat oft nur ein einziges Wort auf einer Folie eingesetzt. Das, was er dazu erzählt hat, war aber über Wochen intensiv eingeübt worden. Auch der Folienhintergrund darf nicht ablenken. Als Masterfolie dient am besten eine einfarbige Fläche ohne Zierelemente. Das Organisationslogo erscheint nur auf der Titel- und der Schlussfolie, sonst nicht. Fusszeilen oder Seitennummern stören und lenken von der Aussage ab.

Diese formalen Tipps dürfen uns nicht vergessen lassen, dass du vor allem einen Bezug zum Publikum herstellen musst. Ohne das Interesse der Zuhörerinnen und Zuhörer geht es nicht. Für eine gute Präsentation braucht es die Fähigkeit, die Situation des Publikums empathisch erfassen zu können, und diese Situation entsprechend aufzunehmen.

Für weitere gute Tipps in Sachen Präsentation lohnt es sich bei Garr Reynolds vorbeizuschauen. Seine Website «Presentation Zen» und seine Publikationen sind nicht mehr ganz neu, aber immer noch absolut relevant. Etwas aktueller ist Mai Thi Nguyen-Kims Appell, den Publikumsbezug allem voranzustellen. In ihrer Präsentation zum Thema «Wissen vermitteln – So hältst du einen guten Vortrag» liefert die Frau hinter MaiLab gleich selbst ein Paradebeispiel einer gelungenen Präsentation.

Stefan Lang

Stefan Lang geht mit gutem Beispiel voran: seine eigenen Präsentationen sind oft eine Abfolge von überraschenden Bildern, die nur spärlich mit Text bestückt sind. Beim Verlag SKV setzt er sich für digitale Formen des Lehrens und Lernens ein und unterstützt seine Kolleg*innen dabei, solche neuen Formen einzuführen. In seiner freien Zeit leitet er Meditationskurse und macht gerne Velo- und Wandertouren.

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